# Fiktion und Wirklichkeit_8

5.11.2016_Samstag

Letzter warmer Tag in den Bergen. 15 Grad an der Landesgrenze zwischen Bayrischzell und Landl. Morgen schneit es. Heute ist noch alles frei: Der Weg ins Kloo Ascher Tal, der Weg im ausgetrockneten Bachbett. So könnte es bleiben. Morgen ist alles anders. Bis auf das Verkehrsschild mit den alten Piktogrammen. P. hat es entdeckt. In Bayrischzell ist die Zeit stehen geblieben und zuweilen ist das wohltuend.

waltesverkehrsschild

14.11.2016_Montag

Ich lese Viktor Klemperers LTI – Lingua Tertii Imperii. Wollte ich schon vor Jahren lesen. Jetzt ist das alte Reclamheft – eine alte DDR-Ausgabe – schon derart vergilbt und die Druckschrift auf manchen Seiten verblichen, dass die Zeit, in der es herausgegeben (1947) sehr weit entfernt scheint – ein wohltuender Eindruck den ich nicht in Frage stellen möchte. Viktor Klemperer schreibt sinngemäß, dass in Worte Gift einfließt und die Worte wie Gift wirken.

Ich beobachte zur Sprache folgendes: Worte werden in den öffentlichen Raum gesprochen, wie Donald Trumps: „american great again“ oder „american first“ oder Angela Merkels „Wir schaffen das.“ Und durch die Medien weltweit im öffentlichen Raum verbreitet. Beim Empfänger entstehen dann – im Kontext des Zeitgeschehens – innere Bilder, die sehr individuell und abhängig von der persönlichen Erfahrungs- und Wertelandkarte des Empfängers sind.

Ja und diese sehr individuellen Bilder vor Augen werden Kommentare, Szenarien, wird Wut, Hass, Zuspruch und vieles mehr in die Welt posaunt.