# Fiktion und Wirklichkeit 24

Donnerstag, 17. Mai 2018

Mir werden in den letzten Tagen viele Modelle über die Bedeutung von Krankheit, in meinem Falle Sportverletzung, angetragen: Der Körper sucht sich so etwas, wenn er Ruhe braucht. Das Universum gibt dir eine Aufgabe, an der du wachsen kannst. Im Moment wachse ich vor allem an der täglichen Aufgabe mir eine Spritze zur Thromboseprophylaxe in den Bauch zu stechen. Geht manchmal ganz schön daneben. Ich hoffe, das Blut bleibt flüssig.

Freitag, 18. Mai 2018

Mit H. telefoniert. Nach Monaten. Bin wieder auf dem neuesten Stand: Im August vorigen Jahres ein Baum durch Blitzschlag aufs Haus gestürzt. Reparaturen immer noch nicht abgeschlossen. Neue Mieter gefunden. Sehr nette Menschen. Seit mein Fuß in einer Art Skistiefel wegen Achillessehnenriss steckt und ich eingeschränkt mobil bin, kann ich wieder mit Freunden telefonieren. Nicht zu müde, zu erschöpft und mit einem starken Bedürfnis einfach mal allein zu sein.

B. und E. haben mich am Nachmittag mit dem Auto abgeholt. Auf einen Kaffee, bevor sie nach Italien fahren. Einfach nur herumgefloskelt. Bis A., die Servicekraft, kam und fragte, was ich mit meinem Fuß gemacht habe. Sie konnte noch mit ein paar eingerissene Sehnen an anderen Stellen aufwarten.

Samstag, 19. Mai 2018

Wie ist es überhaupt möglich etwas zu beurteilen, zu bewerten. Es kann immer nur mein subjektives Urteil, meine subjektive Bewertung sein. Einseitig. Eindimensional mit äußerster Vorsicht zu genießen. Andererseits ohne Bewertungen ist alles Phänomen. Einatmen. Ausatmen. Ein meditativer Zustand des Stillstandes. Bis auf das Atmen.

Karl Ove Knausgard lenkt sein Blick auf die Phänomene. Das Gesagte, das Gesehene,.das Gehörte und so weiter. Und dann unterbricht er und bringt sein Bild, seine Meinung, seine Bewertung in essayistischer Form. Eine starke Wirkung, wohl auch deshalb, weil er seine subjektive Wahrheit in den Raum, in dem er und der Leser, die Leserin sich befinden, stellt. Und bei jede seiner subjektiven Wahrheiten, die der eigenen ähnelt, jubelt der Leser, wie er einem Rockstar und seiner Musik zu jubeln würde.