# Fiktion und Wirklichkeit_14

8. Juni 2017

A. stellt einen Einkaufsbeutel voller Bücher in den Raum. Zum Verschenken.

Die Reklamausgabe von Kafkas „Brief an meinen Vater“ fällt mir auf. A. ist vielleicht Mitte 20. Kafka passt nicht zu ihr, meine ich. Vielleicht hat sie das Buch, weil sie selbst ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater hat. Vielleicht kennt sie ihren leiblichen Vater nicht, hat einen Stiefvater, vielleicht gar keinen. A. ist Physiotherapeutin. Hat sie vielleicht mal Literaturwissenschaft studiert? Vielleicht stammt das Heftchen aus der Bibliothek ihres Freundes, ihres Vaters, ihrer Mutter. Warum schenkt sie es her? Weil es keine Bedeutung für sie hat, weil sie es nicht interessiert, weil sie fertig ist mit dem Thema. Aufräumen halt, auch innerseelisch. Alles Mutmaßungen meinerseits. Fiktion eben.

wKafka

10. Juni 2017

P. S.führt uns über das Areal der Sporthochschule Köln. Auf dem Rasen, den Laufbahnen, den Gehwegen – überall trainieren junge Menschen; spielerisch, freudig, keineswegs verbissen. Dort ist die Folterhalle, sagt P. und zeigt auf die Turnhalle. Hier ist die Leichtathletikhalle. Oskar Pistorius wurde hier getestet, ob er einen Vorteil gegenüber anderen Läufern hat, wenn er an den Olympischen Spielen teilnimmt, war die Fragestellung. Und hat er? Einerseits ja, andererseits nein. P. erklärt komplizierte Vorgänge der Achillessehne. Wir spazieren durch die Institute: Anatomie, Tanz und Bewegung, Neurowissenschaft, Sportphilosophie. Sportphilosophie? Um was geht es da? Ethik unter anderem. Es duftet nach Lindenblüten, lauwarmer Wind, erfrischend.

Auf der Domplatte des Kölner Doms feiern Männer als Nonnen verkleidet Junggesselnabschied, tanzen nach Rockmusik. Der als Bischof verkleidete Mann heiratet. Wir wollen nur schnell das Richterfenster sehen. P. hat in der Zeit als Richter das Fenster für den Kölner Dom schuf, den Wettbewerb für die Fenster einer Kathedrale in Holland gewonnen. Er fuhr auf dem Weg nach Holland an Köln und am Richterfenster vorbei, um sich nicht beeinflussen zu lassen.P.S. sagt, das Muster auf dem Fenster erinnere ihn an farbige Würfel aus seiner Kinderzeit.

wSporthochschule

16. Juni 2017

Wir fahren nach Klenova, Tschechien. Eine schmal Straße durch einen Wald, schnelle Autos kommen uns entgegen. Von der Burgruine Klenova kann man auf die Villa Paula sehen und das weite Land. Sehnsuchtsort. Den September verbringe ich hier. Literaturstipendium Klenova heißt Bergahorn, sagt Vladimir, der Schlossführer von Klenova.

wklenova

23. Juni 2017

Hanns-Seidel-Stiftung München: Ursula von der Leyen geht durch das Publikums in Richtung Bühne. Eine Stunde, ein Interview. Interessant die Fragen aus dem Publikum danach. Wird wieder eine Wehrpflicht eingeführt? Wird es eine Frau als Generalinspekteur der Bundeswehr geben? Wird es ein eurpäisches Heer gebe? Nein. Ja. Ja.

Nach der Veranstaltung: S. Cabriolet meldet Überhitzung. Wir schaffen es noch bis in den Biergarten in die Arnulfstraße. Warten auf den ADAC im Biergarten.

wUrsulavonderLeyen

27. Juni 2017

Feier zum 50. Todestag von Oskar Maria Graf in seinem Geburtsort in Berg am Starnberger See. Aus dem Archiv des Museum Starnberger See ist eine Büste seiner Mutter aufgetaucht. „Das Leben meiner Mutter“, ein Roman, in dem er eine Lebenshaltung vergangener Frauengenerationen festhält.

wMutterOskarMariaGraf

2. Juli 2017

Im Tannerhof in Bayrischzell spielt der Maler Horst Hermenau mit seinen Musikern ein Stück namens Föhn, das die Interaktion des Augenblicks zwischen den Musikern einfängt. Darüber lässt sich nicht schreiben. Auch nicht darüber, dass die hinter dem Raum weidenden Schafe, die im Fensterbild erschienen, ebenso wie ein kleines Mädchen im Regengewand eingehüllt, vom Klang eingerahmt wurden.