# Fiktion und Wirklichkeit_29

Freitag, 21. September 2018

Heute ist der Sommer zusammengebrochen. In Sassnitz. Wir sind vom Königsstuhl mit dem Fahrrad die Straße heruntergerast als der Sturm durch den Wald rauschte. Kastanien knallten auf die Straße, Äste brachen von den Bäumen. Im Hafen von Sassnitz haben wir ein wunderbares Fischlokal gefunden und wie auf Sylt eine Flasche Weißwein und eine Shrimpspfanne bestellt. Unter dem Sonnenschutz haben wir die letzte warme Sommerluft genossen, die der Sturm vor sich her bließ. Vom Meer zog eine graue Wolkenwand herüber und als wir den letzten Bissen gegessen hatten, tröpfelte der Regen auf die leergegessenen Teller.

Dienstag, 25. September 2018

Meine schlechte Stimmung, die wohl nun schon mehr als 24 Stunden vorherrscht, löst sich langsam auf. P. und ich sind schweigend in unser Café in die Regensburger Altstadt gezogen.Es war nur ein Gast im Café. Ein älterer Herr, der sich mit dem jungen Mann hinter den Tresen unterhielt. Der ältere Herr hatte viele Lachfalten im Gesicht, fragte den jungen Mann nach Sportsendungen im Bezahlfernsehen: Tennis, Skifahren, Schach. Er fragte den jungen Mann, welche Sportarten er treibe. Skifahren, Tennis, Schach. Auch Golf? Er habe die Platzfreife, spiele hin und wieder mit seinen Eltern.

Die offene, freundliche Art des älteren Mannes, die Energie des jungen Mannes, der so vieles ausprobierte, erkundete und Gefallen daran fand, die Musik im Café öffnete wieder meine Gedanken, erfrischten meinen Geist, entfalteten in mir die Lust Neues kennezulernen, mich selbst neu zu entdecken und Grenzen zu überschreiten.

Ich erkannte in dem Moment wie wichtig es ist, andere Menschen um sich herum zu haben, die etwas in einem selbst erwecken, die Kraft des Lebens in einem selbst stärken. Es ist als bewegten wir uns im Verlaufe unseres Lebens durch Menschen hindurch wie durch einen Wald. Wir begegnen den verschiedensten Menschen, trinken ihre Energie, geben unsere Energie und es geht uns gut. Oder wir nehmen Abstand von ihnen, weil sie uns nicht gut tun. Wir fühlen uns in ihrer Nähe verloren, ingnoriert, fremd, weil uns wenig verbindet.