Sonntag_19_4_2026

Ein Waldspaziergang entlang der tschechischen Grenze: Im Atem des Frühlings baden. Leise entfaltet sich der Frühling mit seinem zarten Grün im Wald. Lautstark schwirren die Vögel durch den Frühlingsatem. 

Sonntag_3_5_2026

Fahrt von Holzkirchen nach Spielberg auf der Autobahn. Ein Gedanke: Egal wie viel Menschen uns nahe stehen, ein jeder ist in seiner Welt allein. In einem Teil unserer Welt sitzen wir fest wie in einer Einzelzelle in einem Gefängnis. Wir kommen aus diesem Teil nie raus, egal, was wir anstellen. Andererseits gut. Der Teil gehört uns allein. 

Montag_11_5_2026

Elizabeth Strout, wie sie in die Figuren reist, ihre Figuren auf einer weichen vulnerablen Ebene begegnen lässt. Sie schafft eine Fiktion von Wahrhaftigkeit, wie wir sie im Alltag selten vorfinden. In einem ihrer Bücher, ich glaube es ist „Alles ist möglich“, schreibt sie, bereuen, im Sinne von bedauern darüber wie wir andere verletzt haben, mache uns erst zu Menschen. Ich glaube das ist, worüber sie immer und immer wieder schreibt.

Donnerstag_14_5_2026

Auf dem Weg nach Waldmünchen fahre ich an einer geräumten Unfallstelle vorbei. Zwei Reinigungsfahrzeuge und zwei Männer in orangen Westen kehren die Straße, löschen die Ölspur ab. Am Baum ein riesiges Stück Rinde abgerissen. Ich denke, dass es nicht zwingend ein schwerer Unfall gewesen sein muss. Es kann ein Lastwagen gewesen sein, der den Baum touchiert hat, sonst nichts. Etwas in mir weiß, dass ich das mehr hoffe als denke. Ich treffe mich mit einer Freundin im Café. Wir stoßen auf ein langes, gesundes, freies Leben an, weil uns gerade so viel Gutes geschieht. Auf dem Rückweg fahre ich wieder an der Unfallstelle vorbei, sehe das weiße Holz am Baum, den schwarzen Fleck auf dem Asphalt, den rötlichen Sand auf der Ölspur und ich spüre, dass dort gerade ein Mensch gestorben ist. 

Freitag_15_5_2ß026

Ich fahre in der Früh auf dem Weg in mein Büro an einem Fluss entlang, an einem Flugplatz, einer Auenwiese, auf der Störche stehen, vorbei. Ich laufe über eine Brücke, die über den Fluss führt. Es ist die Brücke an der der berühmt Antikriegsfilm „Die Brücke“  1959 gedreht wurde. Ich laufe im Strom vieler junger Menschen, die in Richtung Schule gehen, durch das Biertor in einer alten Stadtmauer, vorbei an einen Kindergarten, an dessen Hauswand ein Metallschild angebracht ist. Darauf ist ein Menschenrechtsartikel eingraviert, auch in Blindenschrift. Und ich denke, während ich über die Brücke laufe und auf den Fluss mit dem Namen Regen schaue und sehe, wie das Wasser die großen Flusssteine umspült, ist das nicht alles schön. Jeden Tag.