Donnerstag_16_7_2026

Der Kirschbaum vor meinem Fenster. In seiner prächtigen Baumkrone vertrocknen inzwischen die überreifen, schwarzen Kirschen. Ein süßer Tod, der mit den Kirschen in diesem heißen Sommer voller Licht und langen Tagen im Kirschbaum hängt. Den Kirschbaum fliegen Spatzen, Meisen, Wespen, Fliegen, Bienen an. Sie alle verschwinden im Blattwerk des mächtigen Baumes und naschen an den Früchten, in denen mittlerweile die Würmer wohnen. 

Freitag_17_7_2026

Der Wallnussbaum vor meinem Fenster streckt seine Äste aus, wie hundert Arme, zu empfangen die Sonne, die Luft, die Wärme, den Regen, das Licht. Zu halten die Früchte. Die Wallnüsse leuchten jetzt im Juli hellgrün aus dem Blattwerk. Sie sind noch jung, wachsen, reifen, anders als die Kirschen im Kirschbaum, der zwanzig Meter weiter entfernt.

Freitag_24_7_2026

Wie langegezogene Serpentinen ziehen sich die Wanderwege durch die Wiesen der Bergbauern oberhalb des Bergdorfes Sent. Die Gipfel der Schweizer Berge im Engadin über uns. Ein älteres Paar kommt uns den steilen Weg entgegen. Sie hält ihn an der Hand, stützt ihn. Er setzt vorsichtig Schritt um Schritt. Sie singt leise ein Lied. Er summt mit. Ich denke an ein Kind, das getröstet wird. Ein Bergsommertag mit blauem Himmel, duftendem Heu, jungen Frauen und Männdern, die an den steilen Wiesenhängen mit einem Holzrechen das Heu zusammenrechen. Die beiden summen leise sich an der Hand haltend, vorsichtig den Weg heruntertappend durch diesen duftenden Bergsommer. Und in diesem Lied liegt Trost und Abschied von diesem wunderbaren Leben.

Am Ende der Wanderung verläuft der Weg oberhalb eines Hofes entlang. Ich setze mich auf eine Bank und sehe eine Frau in der offenen Stalltür stehen, wie sie sich mit langsamen Bewegungen über Gesicht und Nacken streicht, über die Arme. Sie verteilt Creme auf ihrer Haut, so langsam und versunken. Es steckt so viel Leben darin, wie sie tief versunken in diesen Moment.

Sonntag_27_7_2026

Letzter Tag in Sent im Aldier. Drei Gewitter gestern Abend und heute Nacht. Kühle Luft. Das Bergdorf im Nebel. Menschen laufen mit Regenschirmen durch die Gassen über das Kopfsteinpflaster. Ich stelle den Roman von Carson McCullers „Uhr ohne Zeiger“ zurück in das Regal der Frühstücksbibliothek.