Donnerstag_28_5_2026
Mittag. Espresso. Ein Buch. Der Inhaber des Cafés in Cham fragt mich, ob das Buch gut ist, das ich lese. Ich schaue das Cover an, als ob dort die Anwort stünde. „Kairos“ von Jenny Erpenbeck. Ich überlege eine Weile. Entscheide mich Ja zu sagen. Ja, es ist gut. Ich denke: Es ist gut und unerträglich – die Schwere der DDR und unerträglich dieser unreifen toxischen Beziehung zuzusehen.
Freitag_29_5_2026
Die Sonne brüllt vom stahlblauen Himmel. Es ist in der Früh angenehm kühl. 13 Grad Celsius. Wie schön die ersten Stunden in der Früh bei offenen Fenster, die kühle Luft auf der Haut, zu lauschen wie die Vögel erwachen, die Tiere mit verschiedensten Lauten in den erwachenden Frühlingsmorgen rufen.
Später als ich in mein Büro fahre, liegt auf der Straße ein toter Hause. In seinem Lauf gestoppt, so liegt er – nicht weit vom Haus des Jägers entfernt. Der wird ihn hoffenltich bald holen.
Mittwoch_3_6_2026
Der schwarze Stuhl, der auf der anderen Seite des Schreibtischs mir gegenüber steht und keinesfalls mit der Rückenlehne die Wand touchieren und schwarze Striemen verurschen soll. Er sieht aus, wie die schwarzen Stühle, die bei mir im Haus auf dem Speicher stehen und die ich einmal im Jahr für einen Workshop herunterhole. Hier in meinem Büro in Cham wirken die schwarzen Stuhle anders, weniger stabil, abgesessen, auch wenn ich keine Spuren an ihnen entdecken kann. Sie sind unversehrt und wirken dennoch abgesesen. Die Menschen, die auf ihnen sitzen, sitzen für kurze Zeit darauf. Zehn Minuten. Eine halbe Stunden. Die Menschen scheinen während dieser Zeit nicht zu bemerken, dass sie auf einem Stuhl sitzen. Sie beugen sich über den Schreibtisch in meine Richtung. Sie haben ein dringendes Anliegen ohne dessen Lösung ihr Leben aus dem Ruder läuft. Aufenthaltserlaubnis. Ja. Nein. Rechte. Ja. Nein.
Die Menschen, die bei mir zuhause im ehemaligen Klassenzimmer der ehemaligen Dorfschule während des Workshops auf den Stühlen sitzen, sitzen länger auf ihnen, rutschen hin und her, lehnen sich bequem zurück. Sie scheinen das Sitzen zu genießen, während ihr Geist Fiktion, Geschichten schafft. Wie anders sitzen die Menschen auf den gleichen schwarzen Stühlen in meinem Haus.
Sonntag_12_7_2026
Ein lauer Wind fegt über die Wiese, rauscht durch die Bäume. Was für ein schöner Sonntag weht über die Wiese, den Wald. Auf der Wiese liegen Reste gemähten Grases. Ausgeblichen liegt es wie eine Decke auf der Wiese. Ein Leichentuch, das angenehm nach Heu duftet, über das der Wind fegt. Es ist seltsam, vielleicht sollte ich das nicht denken, noch schreiben, aber für einen Bruchteil einer Sekunde habe ich mir vorgestellt, ich würde meinen leblosen Körper betrachten, aus der mein Geist, meine Seele entwichen ist. Er wäre mir fremd. Er käme mir vor wie ein leeres Haus, aus dem die Bewohner ausgezogen sind.
Am Nachmittag. Ich habe A. getroffen. Er stand vor mir in der Tankstelle an der Kasse, kaufte eisgekühlte Getränke in Dosen, hatte eine Rucksack auf dem Rücken und trug seine Sonnenbrille. Ich erkannte ihn gleich. An seinen Bewegungen, der Haltung seines Kopfes. Wie er sich freute, als er mich sah. Wie ich mich freute. Wie er sprüht, wenn er von seinen Kindern erzählt, von seiner Frau, von seiner Arbeit. Wie er bangt, dass alles für ihn und seine Familie gut geht. Ich denke an all die Menschen, die aus einem Kriegsgebiet, aus einer Diktatur gekommen sind und auf die Demokratie vertrauen. Wie der Bauingenieur, dessen beiden Töchter im September im Gesundheitswesen eine Ausbildung beginnen. Ich denke an den Architekten, der nun bei einer großen Autofirma in Dauernachtschicht arbeitet und sich freut, dass viele Menschen das Auto-Modell, dass er in der Nacht zusammenbaut, kaufen. Er hofft, dass die Krise in der Automobilindustrie nicht ihn und seine Kollegen und Kolleginnen trifft. Ich denke an die Lehrerin, die Dichter in verschiedenen Sprachen zitiert und mir von ihrer schwerkranken Tochter erzählt.